Cheffing oder Führung von unten

Warum immer mehr Chefs Ihr Zepter abgeben müssen

In aller Regel ist es doch so: Der Chef hat eigentlich keine Ahnung und die Mitarbeiter können ohnehin alles besser. Sie würden die besseren Entscheidungen treffen, könnten besser die Preise kalkulieren und überhaupt würden Sie ganz anders an die Sache herangehen. Warum dann eigentlich nicht gleich selbst das Ruder in die Hand nehmen?

Der neue Trend in Büros heißt: Cheffing! Vielleicht ist dies nicht einmal ein Trend, sondern das Kind hat nur einen Namen bekommen. Cheffing bedeutet, dass der Chef springt, wenn die Mitarbeiter pfeifen. Führung von unten eben, die damit beginnt, den Chef ab und an mal ein wenig zurecht zu biegen, Entscheidungen zu ignorieren oder der Einfachheit halber diese gleich selbst zu fällen.

Cheffing ist nicht immer unbegründet

Es ist oftmals gar nicht so weit hergeholt, dass Mitarbeiter gewissermaßen die Zügel in die Hand nehmen. Während Chefs oft tagelang zu Terminen unterwegs sind und auch selten direkten Kontakt zu ihren Kunden haben, sitzen Mitarbeiter direkt an der Basis.

Oft merken Chefs beispielsweise gar nicht, dass sich Unzufriedenheit im Unternehmen breit macht, es innerhalb des Teams gewaltig brodelt oder aber ihre Entscheidungen in der Praxis gar nicht umzusetzen sind. Fehlendes Wissen über die „Basis“ führt in der Tat häufig zu Fehlentscheidungen.

Da verlangt beispielsweise ein Supermarktbesitzer von seinen Kassiererinnen, jeden mit der EC-Karte zahlenden Kunden mit folgendem Satz zu verabschieden:

„Lieber Herr Schmidt. Vielen Dank für Ihren Einkauf. Ihren Namen erkenne ich klar und deutlich auf der Rückseite Ihrer EC-Karte. Ich möchte Ihnen damit meine persönliche Wertschätzung ausdrücken und wünsche Ihnen noch einen wunderschönen Tag.“

Hier merken wohl zu allererst die Angestellten an der verdutzten Reaktion des Kunden, dass das wohl etwas zu viel des Guten ist.

Tipps für effektives Cheffing: Wie beide Seiten davon profitieren

Das Beispiel zeigt: Oft macht Cheffing sogar Sinn, wenn es gewollt und kontrolliert abläuft. Andernfalls verliert der Chef den Respekt seiner Angestellten und damit seine Handlungsfähigkeiten, was auf lange Sicht für beide Seiten nicht profitabel ist.

Chefs sollten…

beispielsweise Teile ihrer Führungsaufgaben an einzelne Mitarbeiter delegieren und offen über (neue) Verantwortungsbereiche kommunizieren. Cheffing ist oft ein Zeichen von Unterforderung, weil Mitarbeiter mit ihrem eigentlichen Aufgabenbereich nicht ausgelastet sind. Wer als Chef noch auf der Suche nach solchen Mitarbeitern ist, findet auf workpool.jobs eine große Bewerberdatenbank, in denen die Profile potenzieller neuer Mitarbeiter hinterlegt sind. Chefs können auch in die Offensive gehen und um ein ehrliches Feedback bitten. Oft ergeben sich aus solchen Gesprächen ganz neue Perspektiven.

Mitarbeiter sollten…

beim Cheffing nicht allzu offensiv vorgehen. Welcher Chef sieht schon gerne dabei zu, wenn an seinem Stuhl gesägt wird. Niemand sollte unaufgefordert Führungsaufgaben übernehmen. Jede Einflussnahme sollte durch einen offenen Dialog erfolgen und nicht durch bewusste Manipulation.

Unternehmen leben davon, dass es ein Oben und ein Unten gibt. Diese Strukturen wird kein Mitarbeiter je abschaffen können. Dies ist eine jahrhundertealte Weisheit. Viele Märchen leben bis heute von dem Thema Manipulation oder in Märchensprache „Verzauberung“. Da wird ein Prinz in einen Frosch, ein König in einen bösen Zwerg und eine Prinzessin in einen Schwan verwandelt. Am Ende sind sie aber alle wieder das, was sie einmal waren – und Chefs bleiben immer diejenigen, die letztlich das Sagen haben.

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